Ein Facharbeiter im Weinberg des Herrn

Bisheriger Caritas-Vorsitzender Franz Josef Gebert wird Weihbischof in Trier

In: Paulinus, Domradio, 31.05.2017

Mit dem bisherigen Vorsitzenden der Caritas erhält der Trierer Bischof Ackermann einen sozialpolitisch denkenden Weihbischof: Schon vor der Flüchtlingskrise hat sich Franz Josef Gebert für Schutzsuchende stark gemacht.

68 Jahre, das ist ein Alter, in dem die meisten Menschen schon im Ruhestand sind. „Nun gilt diese Regel für Priester in unserer Kirche ohnehin so nicht“, klärte der Trierer Bischof Stephan Ackermann am Mittwoch ein Dutzend Journalisten auf. Bischöfe etwa geben ihr Amt in der Regel mit 75 Jahren ab. Mit einem großen Karriereschritt, so dachte sich denn auch Franz Josef Gebert, müsste er eigentlich nicht mehr rechnen. Immerhin feiert er am 10. Oktober bereits sein 40-jähriges Priesterjubiläum. Doch es kam anders. Ein Facharbeiter im Weinberg des Herrn weiterlesen

Wenn aus Hassliebe Stolz wird

Die Stadt Trier und ihr Verhältnis zum berühmten Sohn Karl Marx

In: Luxemburger Wort, auszugsweise dw.com, 14.03.2017

Vor dem 200. Geburtstag von Karl Marx tut man sich in dessen Heimatstadt Trier noch immer schwer mit dem Philosophen. Nun beflügelt China die Diskussion – mit einer sechs Meter hohen geschenkten Statue.

„Und was kommt als Nächstes? Kim Jong-un?“ Missmutig betrachtet ein älterer Trierer Bürger eine hölzerne Konstruktion. Mit Sockel ragt sie rund sechs Meter über den Boden auf. Sie zeigt – zunächst noch im Modell – einen bronzefarbenen, überlebensgroßen Karl Marx (1818-1883) in Gehrock mit rauschendem Bart und energischem Blick. „Das erinnert mich an eine Lenin-Statue“, fühlt sich der Trierer an DDR-Zeiten erinnert. 20 Meter weiter bläst ein NPD-Aktivist unentwegt in seine Trillerpfeife. Dann ruft er: „Nie wieder Marxismus! Nie wieder Marxismus!“ Wenn aus Hassliebe Stolz wird weiterlesen

Das Land der aufrechten Frauen

Mit Innovationen verbessern Bäuerinnen in Burkina Faso ihre Lage

In: Paulinus, Domradio u.a., 06.03.2017

Burkina Faso ist eines der ärmsten Länder der Welt. Doch mit lokalen Initiativen gelingt es Kleinbauern, ihre Erträge zu verbessern. Treibende Kraft sind oft die Frauen, die so auch ihre Rolle im sozialen Gefüge verbessern.

Wasser ist ein kostbares und knappes Gut in der Hitze von Burkina Faso – das wissen die Frauen und Männer aus einem kleinen Dorf in der Nähe des Städtchens Gonponsum. Sie setzen die Ressource daher behutsam ein. Mit ihren Hacken heben die Männer kleine Bewässerungskanäle aus, um das Wasser des nahe gelegenen Staudamms nach und nach über das ganze Feld zu verteilen. Aus dem staubtrockenen Boden wird so wertvolles Ackerland, das die Frauen des Dorfs bestellen. Zwiebeln, Tomaten, Kohl, Auberginen – all das gedeiht nun unter der erbarmungslosen Sonne Westafrikas, die auch jetzt, im Winter, für bis zu 36 Grad Celsius sorgt.

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Die Rückkehr des Wolfs in die Großregion

Interview mit einer Wolfsexpertin und Besuch bei einem Schäfer

In: Luxemburger Wort, 10.02.2017

Es ist wohl keine Frage des ob, sondern eher eine Frage des wenn, bis sich der Wolf auch in Luxemburg seinen Lebensraum zurückholt. 1893 wurde er im Großherzogtum wie in vielen Ländern Europas ausgerottet. In den letzten Jahren hat es in der Großregion mehrere Sichtungen gegeben. Viele Bürger fragen sich: Sind die betroffenen Landwirte, sind die Behörden auf den Beutegreifer vorbereitet? Wir haben mit Betroffenen gesprochen. Wir wollten von einer Wolfsexpertin mehr über den Charakter der Tiere wissen. Und was sagt ein Schäfer zu der Rückkehr des Wolfes? Die Rückkehr des Wolfs in die Großregion weiterlesen

„Das Pilgern ist wie eine innere Goldmedaille“

Pastoraltheologe über die verschiedenen Typen von Pilgern

In: Domradio.de, 26.12.2016

Den typischen Pilger? „Den gibt es nicht“, sagt der Trierer Theologe Martin Lörsch, Mitautor des Buches „Abenteuer Pilgern“ von der Sankt Jakobusbruderschaft. Die Menschen würden sich aus den verschiedensten Gründen auf den Weg machen. Welche das sind, erzählt er im Interview.

KNA: Was ist die erstaunlichste Erkenntnis, die Sie durch die Arbeit an ihrem Buchprojekt zu Thema „Pilgern“ gewonnen haben?

Martin Lörsch: Für mich persönlich ist es vor allem die Vielfalt der Motive, warum jemand den Jakobsweg geht. In dem Buch sind diese unterschiedlichen Typen dargestellt. Die Forschungsergebnisse enthalten wichtige Hinweise für die Verantwortlichen für Pilgerseelsorge entlang des Jakobswegs. Diese können ein besseres Gespür für die unterschiedlichen Bedürfnisse von Menschen auf dem Weg entwickeln und ihre Angebote zielgenauer anbieten. „Das Pilgern ist wie eine innere Goldmedaille“ weiterlesen

Wenig Wahl, viel Kampf und Hass

Ein Streifzug durch die USA in den Wochen vor der Präsidentschaftswahl

Die bevorstehende US-Präsidentenwahl polarisiert weltweit wie wohl keine zuvor. Was denken amerikanische Bürger über diesen Urnengang? Vom besorgten Pastor, der in Donald Trump einen gefährlichen Rassisten sieht, bis zur jungen Latina, die in einer linken Studentenstadt für dessen Sieg kämpft – Eindrücke von einem einmonatigen Streifzug von der Ost- zur Westküste.

Washington, DC

Herbstzeit ist Kurzurlaubszeit für Lamar (Name geändert), 43 Jahre alt, und seine fünfköpfige Familie. Beim Ausflug in die Hauptstadt wollten sie eigentlich das neue Museum der afroamerikanischen Geschichte und Kultur Amerikas besuchen. Doch die Schlange vor der Sehenswürdigkeit ist ewig lang, sodass der Pastor einer Baptistenkirche in Tennessee stattdessen im Museum der indianischen Kultur gelandet ist. Das passt gut, denn als Schwarzer interessiert sich Lamar für die Situation von Minderheiten. Schnell kommt man mit ihm ins Gespräch über die schwierige Lage vieler Afroamerikaner. Lamar stammt selbst aus einem sozialen Brennpunkt, er hat den gesellschaftlichen Aufstieg geschafft. Wenig Wahl, viel Kampf und Hass weiterlesen

„Die Mariensäule ist mein Leben“

Für 150 Jahre altes Denkmal seilt sich Michael Blum 35 Meter ab

In: Paulinus, katholisch.de u.a., 8. Oktober 2016

Seit 150 Jahren thront die Mariensäule über den Dächern von Trier. Für Michael Blum gehört das Wahrzeichen zur Familie: Wie schon sein Großvater reinigt er es ehrenamtlich – und seilt sich dafür bis zu 35 Meter ab.

Endlich geschafft! Eine Schulklasse auf Wandertour macht es sich am Fuß der Trierer Mariensäule gemütlich. Dort oben, auf den Stufen des Denkmalsockels in 180 Metern Höhe über dem Moseltal, genießen die Jugendlichen den Blick auf die Römerstadt. Bei dem herrlichen Panorama fällt es kaum auf, dass viele der mitgebrachten Tüten und Verpackungen auf dem Boden landen, wo sie sich mit den vorhandenen Scherben von Bierflaschen vermischen. „Die Mariensäule ist mein Leben“ weiterlesen

Regentin statt Richterin

Syrerin Ninorta Bahno wird zur Trierer Weinkönigin gekrönt

In: Welt online, N24.de, Saarbrücker Zeitung u.a., Juni bis August 2016
Text und Fotos: © Michael Merten

Vor vier Jahren floh sie vor dem Krieg in ihrem Heimatland Syrien – am 3. August wird Ninorta Bahnho zur Trierer Weinkönigin gekrönt. Es ist die Geschichte einer Integration in Siebenmeilenschritten.

Mit wachsamem Blick beobachtet Ninorta Bahno die Handbewegungen von Renate Kreber. An einem verregneten Nachmittag im Juni ist die 25-jährige Syrerin eine wissbegierige Schülerin in einem Trierer Weinberg. Von der 79-jährigen Winzerin lässt sie sich zeigen, wie man die Weinreben so festbindet, dass sie gerade nach oben wachsen. Eigentlich hat Bahno jetzt Feierabend, doch das spielt für sie keine Rolle: Sie will mehr über die Winzerhandwerkskunst erfahren. Regentin statt Richterin weiterlesen

Weder großer Kaiser noch grausamer Despot

Drei Trierer Museen zeigen Nero in neuem Licht

In: Paulinus, 22. Mai 2016
Text und Fotos: © Michael Merten

Den römischen Kaiser Nero betrachten viele Menschen noch immer als grausamen Tyrannen, der Rom anzündete. Drei Trierer Museen zeigen ihn in neuem Licht und verdeutlichen mit einer großen Nero-Schau, wie veraltet dieses Bild ist.

„Was? Wie können Sie denn eine Ausstellung über diesen Mann machen?“, gibt Elisabeth Dühr Reaktionen auf die Ankündigung wieder, eine große Schau über den römischen Kaiser Nero zu machen. Nero, das ist für viele Menschen noch immer der Inbegriff des unmoralischen Despoten, der furchtbar gegen die frühen Christen wütete. Durch die christliche Überlieferung, noch viel stärker aber durch Hollywoodfilme wie „Quo vadis?“ ist dieses Bild geprägt, sagt die Leiterin des Stadtmuseums Simeonstift in Trier. Weder großer Kaiser noch grausamer Despot weiterlesen

Mit Sambarhythmen durch die Nacht

14.000 Athlethen beim 11. ING Night Marathon Luxembourg 2016

Text: © Michael Merten
Foto: © ING Night Marathon Luxembourg

Dieser Beitrag ist im Marathon Jahrbuch 2016 von Marathon4you erschienen (http://www.marathon4you.de/marathon-jahrbuch)

2006 fiel im Großherzogtum Luxembourg erstmals der Startschuss zum ING Night Marathon. 2016 waren bei der 11. Auflage erneut 14.000 Athleten in der weltoffenen, internationalen Stadt am Start. Drei Streckenrekorde wurden dabei aufgestellt, es war eine rauschende Sportnacht.

Ich selbst bin 2009 und 2010 den Marathon gelaufen. Mit seinen 300 Höhenmetern ist es ganz klar eine Herausforderung – doch wer sich ihr stellt, wird mit faszinierenden Lichteffekten, Sambarhythmen, 100.000 begeisterten Zuschauern und einer außergewöhnlichen Stimmung belohnt, wie sie nur ein Marathon in den Abendstunden bieten kann. Hier mein Erfahrungsbericht.

Eine außergewöhnliche Stimmung herrscht in den Starterblocks vor den Hallen der Lux-Expo. Keine verschlafenen Blicke von Läufern, die sich in aller Frühe aus dem Bett gequält haben und nun in der Morgenkälte bibbernd auf den Startschuss warten, wie man es von Frühjahrsläufen gewöhnt ist. Mit Sambarhythmen durch die Nacht weiterlesen